Bericht Production System 2013

Back to the roots! KATA vs. (Total) TPS

Die Production Systems 2013, abgehalten vom 4. bis 7. Juni in Frankfurt war  eine gute Gelegenheit, einerseits geballtes Fachwissen passiv zu konsumieren und dann aktiv in die Diskussion mit Gleichgesinnten aus vielen Industriezweigen einzusteigen. Unterhaltsam, kompetent und mit neuester Konferenztechnik (TED Abstimmung während der Vorträge) wurden die Beiträge anmoderiert und in einen schönen Rahmen gestellt.

Ein Blick in die Liste der Vortragenden und Teilnehmer und auf deren Unternehmen und Branchen zeigt, wie breit aufgestellt und aktiv die Lean-Bewegung heute in Deutschland schon ist. Schlank ist keine Modeerscheinung mehr, sondern eine wesentliche Voraussetzung, um auf dem Markt zu bestehen. 

Lean hat viele Namen, Formen und Ausprägungen. Allerdings kann ich persönlich manche Neuentwicklungen nicht nachvollziehen. Eine solche ist die Toyota Kata, wie sie seit einigen Jahren und auch bei der Production Systems durch die Gegend geistert. Coaching Kata und Trainings Kata sind Methoden, wie sie bei Toyota nicht gepflegt werden. Diese Aussage stammt von Toshio Horikiri, ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter von Toyota Motor Corporation und jetzt President von Toyota Engineering Corporation. Daher finde ich die Weiterentwicklung von bestehenden Produktionsmanagementsystemen passender als neues aus dem Hut zu zaubern. In diesem Sinne war auch die Präsentation von Herrn Horikiri zum Thema Total TPS authentischer als die Kata-Beiträge. Auch Toyota hat im Laufe der letzten 40 Jahre Veränderungen meistern müssen, und daher seine Managementsysteme entsprechend angepasst. Zentral bleibt der Faktor Mensch, egal auf welcher Ebene. Horikiri hat das sehr schön mit der unten stehenden Formel ausgedrückt:

Ergebnis = (Persönlichkeit) x (Fähigkeiten) x (Motivation) 

Für mich jedenfalls steht fest: Solange Toyota mit seinen alten, aber weiter entwickelten Systemen Qualitäts-Weltmeister bleibt, sehe ich keine Notwendigkeit für so genannte Neuentwicklungen. Interessanter ist eher die Frage, warum Unternehmen mit Kaizen, KVP, TPM oder Lean scheitern, und ob diese Gründe auch irgendwann den Kata-Jüngern zu schaffen machen werden.


Kommentare

Bericht Production System 2013 — 1 Kommentar

  1. Danke für den ausführlichen Bericht – warum Unternehmen scheitern mit Kaizen, KVP, Lean, TPM oder Kata? Eine Frage, die es in sich hat.

    Eine der Gründe, und da braucht es sicherlich keine große Studie, ist, dass in deutschen Unternehmen bei der Einführung solcher Prozesse in der Regel regelmäßig das Personal reduziert wird noch bevor die Prozesse wieder soweit stabil laufen, dass sich wirklich tragfähige Prozesszeiteinsparungen ergeben.

    Es fehlt die Arbeitsplatzgarantie, die es -meines Wissens- bei Toyota gibt.

    Ein weiterer ist aus meiner sehr persönlichen Erfahrungen, dass die Arbeitsbewertung nach wie vor nach Stelleneinstufungen und individuell erfolgt (sicherlich auch begründet aus der einfacher messbaren Zuordnung Stelle zu Gehalt).

    … hinter beiden liegt oft eine zu wenig ausgerichtete Orientierung auf Transparenz (die sicherlich insbesondere in der Anfangszeit zu Misstönen zwischen Kollegen oder Gruppen führen kann).

    Ich freue mich, weitere Gedanken zu diesem mehr als interessanten und wichtigen Thema zu erfahren.

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